"Druck mache ich mir einzig und allein selbst"

24.02.2010 | Hamburg
Fed Cup Chefin Barbara Rittner ist sich ganz sicher: "Mit ihrem vielseitigen Spiel, ihrer beeindruckenden Athletik und ihrem super Aufschlag kann sie im Jugendbereich jede Gegnerin dominieren." Gemeint ist Anna-Lena Friedsam, mit 16 Jahren die Nummer 23 der ITF-Jugendweltrangliste und eines der größten Talente im deutschen Damentennis.

Die junge Rheinland-Pfälzerin erlebte im vergangenen Jahr ihr ganz persönliches Sommermärchen: Auf dem ITF Junior Circuit eilte Anna-Lena Friedsam von Sieg zu Sieg, gewann die internationalen Jugendturniere im österreichischen Villach und im holländischen Castricum und verlor bei der hochklassigen Veranstaltung in Offenbach erst im Finale. Nach einem kurzen Abstecher nach Ludwigshafen, wo sie Deutsche Jugendmeisterin im Einzel und im Doppel wurde, holte sie sich in Berlin auch noch den Titel bei den Airberlin German Juniors, den Internationalen Deutschen Jugendmeisterschaften. "Der gesamte letzte Sommer ist super gelaufen und der Erfolg in Berlin war dabei natürlich ein echtes Highlight", erinnert sich der Teenager. "Der emotionale Höhepunkt war für mich aber die Final-Teilnahme mit der deutschen Mannschaft beim Junior Fed Cup in Mexiko."

In San Luis Potosi spielte sie sich gemeinsam mit Stephanie Wagner und Annika Beck bis in das Finale und feierte damit den größten Erfolg eines deutschen Junior Fed Cup Teams seit 13 Jahren. "Das war bisher mein schönstes Erlebnis im Tennis. Ich habe das Gemeinschaftsgefühl total genossen. In diesem Jahr möchte ich unbedingt wieder dabei sein und dann den Titel gewinnen."

Dass Friedsam ein umgänglicher Typ ist und sich in der Gruppe wohlfühlt, hat sich auch beim Fed Cup Lehrgang der "Großen" im Dezember gezeigt. In Saarbrücken durfte sie mit den Spielerinnen des A-Kaders trainieren und hat bei Bundestrainerin Barbara Rittner einen äußerst positiven Eindruck hinterlassen: "Anna-Lena ist eher zurückhaltend und ruhig, aber im Team ist sie total aufgeblüht. Bei den anderen Mädels ist sie sehr gut angekommen und man hat deutlich gemerkt, dass sie die Zeit richtig genossen hat." Eine Einschätzung, der die Spielerin vom Andernacher TC gerne zustimmt: "Es war echt interessant und ich konnte mir einiges bei den Profis abschauen. Andrea Petkovic hat mich besonders beeindruckt, denn sie ist so athletisch und in jedem Training voll konzentriert. Sie weiß halt genau, wofür sie arbeitet - das merkt man sofort."

Als Profi um die Welt reisen, gegen die Besten der Welt auf dem Court antreten und im Fed Cup für Deutschland auflaufen. All das hat Petkovic schon erreicht, all das will Anna-Lena Friedsam auch: "Ich weiß natürlich, dass es noch ein langer Weg ist und viel passieren kann. Aber ich hänge mich immer voll rein und tue alles, um mich zu verbessern. Tennis ist das, was ich liebe und das möchte ich unbedingt zu meinem Beruf machen." Dass sie das Zeug dazu hat, davon ist ihr Trainer Bijan Wardjawand fest überzeugt: "Wenn sie gesund bleibt, wird sie ihren Weg machen. Man muss ihr jetzt einfach Zeit geben, sich zu stabilisieren."

Mit Wardjawand arbeitet Friedsam, die im Sommer die mittlere Reife machen wird, bereits seit ihrem 10. Lebensjahr zusammen. "Wir kommen super miteinander klar und zwischen uns besteht ein absolutes Vertrauensverhältnis. Niemand kennt mich und meine Art zu spielen so genau wie er. Alles, was ich kann, habe ich von ihm gelernt", so Friedsam über den 42jährigen. Diese Wertschätzung beruht auf Gegenseitigkeit: "Anna-Lena ist einfach ein feiner Mensch, sehr bodenständig und familienbewusst." Neben dem Tennistraining mit Wardjawand am Landesleistungszentrum in Koblenz hat Friedsam einen zweiten Trainingsstandort in Frankreich und an ihrer Fitness arbeitet sie mit Michael Liekmeier, dem ehemaligen Vizeweltmeister im Vierer-Bob.

Wenn sich bei Anna-Lena Friedsam gerade mal nicht alles um den Sport dreht, genießt die 16jährige die Zeit mit ihrer Familie im heimischen Oberdürenbach: "In unserem Dorf in der Eifel ist nicht viel los, aber die Heimat ist für mich ein Ruhepol. Ich bin schon Tante und wenn ich daheim bin, spiele ich gerne mit meinen Neffen und meiner neuen Nichte." Besonders wichtig sind Friedsam auch ihre Eltern. Maschinenbauingenieur Ludwig und Kindergärtnerin Barbara lassen ihrer jüngsten Tochter bei der Planung ihrer Tenniskarriere freie Hand. "Meine Eltern haben mit Sport eigentlich nicht viel am Hut und sehen das alles daher sehr locker. Druck mache ich mir einzig und allein selbst", erzählt Friedsam, die sich für die Zukunft einen Platz unter den Top 20 der WTA-Rangliste durchaus zutraut.

Das Nahziel sind jetzt jedoch erst einmal die Top 10 bei den Juniorinnen. Um dafür fleißig Punkte zu sammeln, geht es für Anna-Lena Friedsam demnächst nach Südamerika. Den Einstieg in den Damenbereich will die begeisterte Hobby-Fußballerin entweder Ende dieses Jahres oder 2011 wagen. Die Chancen, sich dort durchsetzen, stehen gut - das glaubt auch Barbara Rittner: "Wenn sie verletzungsfrei bleibt und sich noch eine größere Portion Frechheit auf dem Platz aneignet, dann wird in der Zukunft absolut mit ihr zu rechnen sein."

Quelle: Pressemeldung Deutscher Tennis Bund e.V. (DTB)

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